Silvesterpredigt 2016

Korbinian ThielBerichte

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seiner Gnade!

Dieser Satz, dieser Gedanke, ist ein Wohlklang in meinen Ohren: Der Gedanke daran, dass alle Menschen an den einen Gott glauben, der für uns in der Krippe zu Betlehem Mensch geworden ist, der gekommen ist, um uns hier auf Erden die Barmherzigkeit Gottes in einer Weise spüren zu lassen, dass unser verhärtetes Herz weich wird und gar nicht anders kann als mild zu werden  – und die Barmherzigkeit, die uns von unserem Gott entgegengebracht wird, auch unseren Mitmenschen gegenüber wirksam werden zu lassen.
Mittlerweile scheint es: diese Vorstellung wird immer mehr zur Utopie. Lichtjahre sind wir davon entfernt. Die Orte der himmelschreienden Grausamkeiten heißen nicht zuletzt Aleppo, ja ganz Syrien, Afghanistan, Nigeria, Jemen,…bis herauf zur Türkei: Staaten, in denen die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.
Der Lastwagen, der in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert wurde und 12 Menschen in den Tod gerissen und ca. 50 Menschen schwer verletzt hat, hat es uns wieder vor Augen geführt, dass wir Menschen hier auf Erden uns auf ganz unsicherem Boden bewegen. Und das deswegen, weil die Herzen vieler Menschen kaputt und ihre Hirne krank sind. Weil sie das, was eine ernst zu nehmende Religion, sei es Christentum, Judentum, Islam oder Buddhismus  immer möchte, nämlich den Frieden als Basis von allem Guten, gehörig falsch verstanden haben.

Die Herrschaft auf dieser Welt inne zu haben, ist nicht gleich bedeutend damit, dass der Mensch vor Gott Gefallen findet.

Wo die Religion in dieser Weise missbraucht wird, wird ihr Image im Allgemeinen in den Schmutz gezogen. Der Erfolg solcher Terrorakte wie dieser von Berlin oder der im Sommer von Nizza besteht in erster Linie nicht darin, dass Dutzende oder Hunderte von Menschen ums Leben gebracht werden, sondern darin, dass  der Gesellschaft das Lebensgefühl und die Lebensqualität entzogen wird. Und die andere Konsequenz:  Jeder Terrorakt ist Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Populismus, der in vielen Ländern der Erde wie die Schwammerl aus dem feucht-warmen Waldboden schießt:
Frankreich (Le Penn), Italien (Lega Nord), Österreich (Hofer), Deutschland (AfD und Frauke Petry), die Niederlande und in den USA, dieses Trampeltier, der ja noch nicht einmal mit seiner Amtszeit begonnen hat. Da werden wir noch Einiges erleben im kommenden Jahr!

Doch stehe ich heute am Ende des Jahres 2016 nicht hier, um Alles schwarz zu malen. Ich stehe heute auch hier und möchte das Eine oder Andere bunt malen – und uns dabei Alle ermuntern, dass wir als Kirchengemeinde einen jeden Menschen als von Gott geliebtes Kind erkennen, ganz gleich – sei es der Weihbischof, der zu uns in einem halben Jahr zur Firmung kommen wird oder der afghanische Asylbewerber, der kaum ein Wort Deutsch über seine Lippen bringt.

So stehen uns in diesem Jahr bekanntlich zwei große Gedenkjahre ins Haus der Kirche: zum Einen 500 Jahre Reformation und zum Anderen 100 Jahre Fatima. Da wir in Tacherting eine Pfarrei mit einem Marienpatrozinium haben, werden wir uns im Sommer deswegen auf Pilgerreise nicht in die ehemalige DDR, sondern nach Portugal begeben!

Oscar Wilde wird der Satz in den Mund gelegt: „Am Ende wird Alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!” Wenn man diesen Gedanken als Gradmesser für den Pfarrverband Tacherting verwendet, dass ist bei uns noch lang noch nicht  Schluss, das beweisen nicht zuletzt die Baustellen, die es zu beackern gibt; von denen ich heute am Ende des Jahres 2016 nur einmal die Wichtigsten herausgreifen möchte:

Da ist zunächst der Dachstuhl der Tachertinger Pfarrkirche, den es gehörig verzogen hat – und der wieder in die richtige Position gebracht werden muss. Die Mittel dafür sind bereits frei gegeben, die Arbeiten kommen demnächst auf uns zu. Zum zweiten ist die erste Hürde “Pfarrheim Neu” in unmittelbarer Nähe zur Kirche bereits genommen. Das Projekt hat bereits seine Nummer und Erzdiözese ist in Zusammenarbeit mit der Kirchenverwaltung drauf und dran, den geeigneten Architekten dafür zu finden. Dann sind die beiden Stellen der Kindergartenleitungen für Tacherting und Emertsham neu zu besetzen. Des Weiteren ist der Dachstuhl in St.Michael – Schalchen marode. Der Antrag ist bereits gestellt. Falls der Sturm ein Loch in das Dach drückt, wird’s schnell gehen müssen.
Mit einer weiteren Nebenkirche geht es weiter: Kirchstätt: Die Schindeldeckung ist schon jetzt so weit, dass sie erneuert werden muss. Die Emertshamer Kirchenverwaltung hat diese Aufgabe vor sich. Weiter mit Emertsham: Der sog. Ölberg  ist verwittert. Die Figuren sind bereits gesichert. Man denkt darüber nach, wie man in Zukunft dieses Kleinod vor der Verwitterung  schützen kann. Auch ist hier das Denkmalamt mit von der Partie, was die Verhandlungen nicht leichter macht. Weil wir noch bei Emertsham sind: Der Kirchenvorplatz wurde im vergangenen Jahr fertig gestellt – und ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen. Die Kirchenverwaltung hat die Erweiterung des Emertshamer Kindergartens jetzt selber  in die Hand genommen.
Weiter mit Peterskirchen: Die südliche Hälfte der Fassade der Pfarrkirche erhielt bereits einen neuen Anstrich. Im Frühjahr soll’s dann mit der Nordhälfte weiter gehen. Noch am 12. Dez. hat man sich getroffen, um die Innenrenovierung zu besprechen, von der ich hoffe, dass die Verhandlungen, die man schon einmal geführt hat, jetzt zügig voran gehen. In Peterskirchen soll zudem im kommenden Jahr das neue Pfarrzentrum direkt  neben dem Gotteshaus  im hinteren Teil des Kirchenwirtes entstehen, wenn man sich über die Art der Heizung klar geworden ist.
So jetzt brech ich hier einfach mal ab, wohl wissend, dass es über  unsere Baustellen noch sehr, sehr viel zu berichten gäbe.

Sehen wir es am Ende des Jahres 2016 doch einfach einmal so: Baustellen sind doch letztendlich Zeichen der Lebendigkeit, Zeichen dafür, dass wir  uns von der Zukunft noch Einiges erwarten – und so gesehen ist doch unser ganzes Leben eine Baustelle. Wie unsere Kirche, die als Baustelle ständig unübersichtlicher wird, die uns aber trotzdem hoffen lässt, dass „am Ende Alles gut“ wird. Amen.

Pfarrer Hermann Schlicker